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SPEISING Open
25.07.09 @ 17:31
Die Wachau mag uns nicht.
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Kalte Wut und heißer Hunger
Ich habe eine Freund, der manchmal ein bisserl ein Pech hat. Stellt er sich zB. in Florenz am Bahnhof artig zum Ticketkauf an und kommt nach schon 2,5 Stunden disziplinierter Warterei und zentimeterweisem Vorrücken endlich an die Reihe, so geht genau vor ihm der Rollbalken am Schalter runter und er muss zurück an den Start.
Ohnmächtige Wut, die sich gegen niemanden entladen kann, gehört zum Schlimmsten.
Hollywood hat dieser Situation einen ganzen Film gewidmet. In Falling down findet die Wut auch noch ein tragisches Ventil. Dieses hatten wir vorerst nicht.
Weil der Regen das Sommerfest der Domäne Wachau fortgespült hat, trippelten wir im Regen von Dürnstein nach Unterloiben, um uns dort im Loibner Hof Gutes in Form warmer, herrlich duftender Speisen zu tun. Der Hunger war gewaltig und mit Freude sahen wir freie Plätze im überdachten Freien. Ich sah mich schon in Bries, Gänseleber und Steinpilzen schwelgen.
"Es ist jetzt leider schon 21:04 Uhr und bestellen können Sie bei uns nur bis 21:00 Uhr!"
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Ich hätte also vor 4 Minuten noch ein fünfgängiges Menü bestellen dürfen, und bekomme jetzt nicht einmal mehr ein Buchstabensupperl?
"Exakt."
Kalte Wut und heißer Hunger sind eine explosive Mischung, doch ich versuche es bei einer anderen Servierkraft. Vergeblich.
Dem Loibner Hof Defäkation nahe legend stapften wir im Regen zurück, um unsere Wut in Form von Neunzigcentachterln und kalter Platte beim Heurigen Schweighofer dann doch Raum greifen zu lassen. Die Wut richtete sich schlussendlich gegen mich selbst, das nennt man Trost, so hergerichtet, wie ich heute morgen war.
Der nächste Tag, die nächste Watschen:
Wir katern zum vortags abgestellten Auto. Es ist durch einen anderen Wagen so verparkt, dass wir nicht wegfahren können. Noch mit offenem Mund vor dem Auto, geht schon ein Fenster in Oberloiben 5 auf und wir werden von einer "Dame" wie Schulkinder zusammengeputzt. Ob wir denn nicht sehen könnten, dass unser Auto auf einem Privatparkplatz, der ausschließlich für Gäste der Familie Glatzenberger vorgesehen ist, stünde.
Ja, können wir, es tut uns leid, wir bedauern, das gestern nicht erkannt zu haben und entschuldigen uns vielmals, ehrlich.
Jetzt kommen Vater und Tochter, um den versperrenden PKW wegzufahren. Trotz aller Entschuldigungen werden wir angekeift und angefeut, dass uns nur so die Ohren schlackern. Wir sollten froh sein, dass sie uns nicht angezeigt haben und besser nicht zurückreden jetzt! Schon im Auto sitzend wird uns noch ein "typisch Wiener" mit auf die Reise gegeben. Wir werden wohl nie Gäste von Glatzenbergers werden. Schade?
Das Kamptal hat uns wieder.
21 Kommentare | Kommentar abgeben
PICCOLO, 30.09.09 @ 19:35
@walterkunz
Die Wachau suchen wir zweck gutem Essen auch nicht mehr auf. Da ich hier nichts nachteiliges für einen Wirt schreiben mag, war es uns eine Lehre, als wir dort Mitte August was zum Essen suchten. wirtshausschilder die durch enge Gasserln dann zu Wirtshäusern im Ruhetagsschlaf führten. ein gourmetkapazunder der kurz vor 11 Uhr uns noch 15 Minuten warten lassen wollte, bis Einlass gewährt worden wäre.. wenn wir nicht weiter gefahren wären. in einem anderen Wirtshaus was die halbe Speisenkarte auf "aus" gesetzt, man wollte den Schweinsbraten verscherbeln. Was Vegetarier wollen wußte man nicht , ein Teller Iglo Sommergemüse, mit vom Tiefkühlsackerl Schmeissen abgerubbeltem Karfiol und Broccoli, aus ungesalzenem Wasser gehoben, kaum durch (Bissfest) samt Spiegelei für sagenhafte 12 Euro - Der 5kg Karton im Sonderangebot kostet gerade mal 6,50!!
Bei diesen Rohaufschlägen müssen dort ja die Wirte nur Porsche Cayennes fahren....
walterkunz, 09.08.09 @ 10:03
Westbahn's Perfektion
Dem Westbahn - mit seinem Verständnis für den Wirt und seiner beleidigenden Verachtung für einen Gast (präpotenter Nörgler) - kann man eigentlich nur wünschen, dass er im Alltag tagtäglich mit solch mitleidlos überpräzisen „Beamtentypen“ konfrontiert wird, die ihm das Leben möglichst schwer machen.
Ich erlaube mir die Anmerkung, dass ich ein recht präziser, Ordnung liebender Typ bin, es muss schließlich Regeln geben, Grenzen, aber auch Augenmaß. Wer um 20.59 Uhr ein mehrgängiges Menü bestellen kann, und vier Minuten später nicht einmal ein Supperl, der kommt sich doch wirklich verarscht vor, bei all meinem Respekt vor Ordnung und Präzision. Vielleicht ist Westbahn selbst ein Wunder an vollendeter Perfektion?
Westbahn, 07.08.09 @ 10:10
Vollstes Verständnis für den Wirt
Wenn mir ein Gast so käme ("Ich hätte also vor 4 Minuten noch ein fünfgängiges Menü bestellen dürfen, und bekomme jetzt nicht einmal mehr ein Buchstabensupperl?") würde ich sogar meine Lateinkenntnisse anwenden (pes ad annem ducere) und den präpotenten Nörgler auf diese Weise an die Luft befördern.
Derartige Gäste braucht kein Wirt! Mit einer "Boykottdrohung" nützen sie nur dem betroffenen Lokal.
schischi, 29.07.09 @ 09:24
Ellenbogenschützer statt Servierschürze
Daran kann ich nichts Keinkariertes erkennen.
Wie auch immer, ich esse lieber "beim Wirtn" als beim Beamten.
Übrigens: sogar in unserer Kantine bekommt man noch etwas nach Dienstschluß.
kubse, 28.07.09 @ 16:41
"Bled für den Loibnerhof. Aber Hauptsach sie san pünktlich im Bett, auch schön." - kommt mir mindestens so kleinkariert vor wie die Aktion vom Loibnerhof.
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