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Winzerporträt: Familie J. Heinrich

02.11.05 @ 17:11

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© Heinrich/Jellasitz

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Familie Heinrich ihren Wein in Flaschen abfüllt. Dennoch ist sie bereits fixer Bestandteil der Oberliga der österreichischen Winzerszene. Der Erfolg basiert auf konsequenter Arbeit im Weingarten und im Keller sowie auf hervorragenden Lagen mit zum Teil über 50 Jahre alten Reben.

Der Weinbau hat in der Familie Heinrich zwar jahrhundertelange Tradition, aber die Umstellung auf einen Qualitätsbetrieb wurde erst 1992 vollzogen. Wie manch andere Winzer aus Deutschkreutz im Mittelburgenland haben die Heinrichs das Potenzial ihres Blaufränkisch erkannt und forcierten von Anfang an den Barrique-Ausbau. Nur wenigen ist es aber gelungen, die Vorzüge des Terroirs so gut in die Flasche zu bringen wie Johann Heinrich.

Während sich der Senior mittlerweile auf die Arbeit im Weinberg konzentriert, verlässt er sich im Weingut voll auf Tochter Silvia und deren Mann Wolfgang. Den Überblick über den gesamten Gutsbetrieb mit Verkostungsraum und Gästebetten bewahrt die Seniorchefin Gerti, ebenfalls eine leidenschaftliche Winzerin.

Silvia Heinrich Kanyak nahm sich trotz Erntestress Zeit für die Beantwortung einiger Fragen:

Wie ist Ihr Sortenspiegel mit prozentueller Verteilung?

Auf rund 30 ha Anbaufläche werden 65% Blaufränkisch, 10% Zweigelt und 10% Cabernet Sauvignon angebaut. Der Rest verteilt sich zu je 5 % auf Syrah, Merlot und Pinot noir.

Welche Philosophie verfolgen Sie bei der Vinifikation?

Unsere Philosophie lautet: Die Qualität der Weine entsteht im Weingarten. Man kann als Winzer nur versuchen, diese Qualität durch schonende Verarbeitung im Keller zu erhalten, die Trauben auf dem Weg zur Weinwerdung zu begleiten und zu unterstützen. Die Selektion bei der Traubenübernahme erfolgt im Weingarten durch zwei Lesedurchgänge. Durch einen neuen Sortiertisch können durch aufwendige Handarbeit unreife Traubenanteile mit Grünanteilen aussortiert werden.

Durch Pump-Over-Systeme und Maischetauchverfahren, wo mit Luftdruck mit einem Stempel der Tresterhut sanft untergetaucht werden kann, erfolgt eine besonders sanfte Maischebehandlung. Die Weine werden in Barriques ausgebaut (ca. 500 Fässer), jedes Jahr kommen ca. 150 neue Fässer hinzu. Dort reifen sie zwischen 6 und 30 Monate.

Welcher ist Ihr Paradewein? Können Sie ihn unseren Lesern näher beschreiben?

Das ist der Cupido. Um die Geschichte dieses Blaufränkisch zu erzählen, muss ich ein wenig ausholen: Im Jahr 2002 kreierten mein Mann und ich unseren Hochzeitswein, eine Blend der besten Blaufränkisch-Fässer des Jahres 2000. Bon Mariage war der fröhliche Titel, und aus Freude über das gelungene Ergebnis sandten wir eine Flasche der Köstlichkeit an Falstaff. Der 3. Platz, wie auch später der Siegertitel in der Kategorie Blaufränkisch des A la Carte-Magazins, wurden als große Überraschung gefeiert und waren ungeheure Motivation, dieser Rebsorte nun noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Dass so kurz nach 2000 wieder ein Blaufränkisch-Jahr sein würde, war die zweite Überraschung auf dem Weg zum Cupido Amour Fou 2002.

30 Monate nach Beginn der Lagerung in Barrique-Fässern, fanden sich mein Mann und ich in einem schöpferischen Déjà-vu in unserem Weinkeller. Die besten Blaufränkischfässer aus dem Jahr 2002 erwiesen sich als so stimmig und gehaltvoll und erinnerten uns so sehr an den 2000er, dass wir uns spontan zu einer Fortsetzung entschlossen haben.

Cupido, römisches Pendant zum griechischen Eros, dem Gott der Liebe und Sohn von Ares und Aphrodite, sollte auch jetzt Namensgeber sein, Amour Fou der Jahrgang heißen. Dem Cupido Amour fou wohnt der Aspekt sinnlicher Leidenschaft inne. Auf der anderen Seite der Genießer: Bei mindestens zehn Jahren Lagerfähigkeit, die dem Cupido attestiert wird, wird die Freude auf eine sinnenreiche Consumatio wachsen – und muss dann doch mit Auslöschung enden.

Wie sieht es mit dem aktuellen Jahrgang aus? Wie ist der Reifegrad der Trauben und der Ernteverlauf?

Der aktuelle Jahrgang ist überraschend gut. Gradationsmäßig wie im Jahr 2004 - im Durchschnitt 18 Grad, vollreifes Lesegut, man musste zuwarten, jeder Tag war entscheidend.

Der Jahrgang 2005 ist im Mittelburgenland wieder ein so genanntes Winzerjahr. Wer das ganze Jahr über exakt im Weingarten gearbeitet hat, wird bzw. wurde dieses Jahr wieder mit gesundem und vollreifem Traubenmaterial belohnt.

Auf welche Auszeichnungen sind Sie besonders stolz?

Falstaff-Gesamtsieger 1998 mit Blaufränkisch Goldberg Reserve 1996, Bundessieger 2000 mit Blaufränkisch Goldberg Reserve 1998, Falstaff 3. Gesamtsieger 2002 mit Cupido 2000

Wine Spectator USA, zwei Mal höchste Bewertung für österreichischen Rotwein: 2002 mit terra o. 2000, 93 Punkte und 2005 mit terra o. 2002, 91 Punkte. (Der punktegleich bewertete Mouton Rothschild aus dem Jahr 2000 erhielt zB ebenfalls 93 Punkte beim Wine Spectator, kostete jedoch 420 USD, unser terra o. kostete in den USA knapp unter 40 USD)

Welche Rebsorten wollen Sie in Zukunft forcieren bzw. wollen Sie neue ins Programm aufnehmen?

Wir besinnen uns auf die autochthonen Rebsorten. Bei uns ist der Blaufränkische beheimatet und wir möchten den Umgang mit dieser Sorte noch weiter perfektionieren.

Wie wichtig ist für Sie die Vitikult-Mitgliedschaft?

Die Mitgliedschaft bei Vitikult hat für uns eine große Bedeutung. Bei uns im Weingut wird der Sorte Blaufränkisch höchste Aufmerksamkeit zuteil, da sie traditionelle Weinkultur als auch Perspektiven für die Zukunft in sich vereinigt. Durch die Vitikultweine wird aufgrund der Betonung auf die Herkunft Mittelburgenland und den Fokus auf die autochthone, qualitativ sehr hochwertige Rebsorte Blaufränkisch das Image der Region insgesamt gehoben. Auch fördert die Kooperation mit Künstlern und Kulturvereinigungen den Aufstieg des Mittelburgenlandes zum "Land der Kunst und des Rotweins".

Welchen Wein trinken Sie am Abend am liebsten, wenn es gerade kein eigener sein soll?

Wir haben in unserer privaten Vinothek an die 2000 Flaschen von anderen Winzern und Weingütern aus aller Welt. Nahezu jeden Tag wird eine Flasche aus der Vinothek geholt und verkostet und genossen. Wir trinken am liebsten gute Österreicher von unsreen Kollegen (rot und weiß, vor allem Riesling und Grüner Veltliner), Barolos und Weine aus dem Bordeaux.

www.weingut-heinrich.at
www.vitikult.at
www.11frauenundihreweine.at

Bernhard Degen
News Networld

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