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Das Weinlog
23.08.05 @ 22:17
Es regnet
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Aus aktuellem Anlass muss ich an die Möglichkeit einer verregneten Ernte denken, die für die Weinqualität katastrophale Auswirkungen haben kann. Gut ausgestattete Winzer können aber die Notbremse ziehen und den Most in einem Vakuumverdamper konzentrieren. Ist das ein zulässiger Eingriff, um die Weinqualität künstlich zu erhöhen?
Dem Weinbauern wirds egal sein, wenn seine Ernte auf dem Spiel steht. Für mich stellt sich aber die Frage, ob der Konsument darüber aufgeklärt werden sollte, da technisch immer mehr aufgerüstet wird und von dieser bequemen Mostaufbesserung immer mehr Gebrauch gemacht wird.
Liebe Speisinger & Traubinger, wo zieht Ihr die Grenze zwischen raffinierter Kellertechnik und unzulässiger Manipulation? In der Neuen Welt ist beispielsweise auch der Einsatz von Eichenschnitzeln gang und gäbe, um kostengünstig Barriquegeschmack zu erzeugen. Aber derart plumpe Manipulation ist wohl beim Ergebnis leicht wahrnehmbar, anders als bei subtileren Tricks...
37 Kommentare | Kommentar abgeben
Minimalist, 26.08.05 @ 11:43
Mist muss nicht Mist bleiben.
100% einverstanden mit "wissen was drin ist". Mündige, kritische, wissende Konsumenten sind für jeden Markt gut.
Aber "Mist bleibt Mist"? Wunderbares grobköniges Meersalz kann sebst aus einer "brackigen Brühe" extrahiert werden? Wenn man es kann.
Maria G, die Befürchtung ist allerdings, dass die "moderne Kellertechnik" als Holzhammer zum "Zurechtbiegen"und nicht zur subtilen, feinfühligen Korrektur verwendet wird.
Und, ich glaube, bei einem Naturprodukt ist die "Natürlichkeit" ein bedeutendes Qualitätskriterium.
Dolcetto, 26.08.05 @ 11:10
Wissen was drin ist!
Es geht hier natürlich auch um Geschmack....aber ich will eigentlich schon wissen, wofür ich mein Geld ausgebe.Für ehrlich" Kellerarbeit mit echten Fässern oder für geraspelte Bahnschwellen im Stahltank.
Mehr Aufwand bedeuten höhere Preise...
Die Verdampfergeschichte ist natürlich schon unter dem Aspekt zu sehen: Mist bleibt Mist, auch wenn er noch so konzentriert ist.
So Long!
Maria_G, 26.08.05 @ 10:36
Zeitgemäße Kellertechnik oder der Untergang des Abendlandes?
Skepsis und ein kritischer Zugang sind zwar stets angebracht, aber in Österreich wird die vermeintliche Abkehr von der Tradition gerne mit dem Niedergang jeglicher Kultur gleichgestellt ohne objektiv die Vor- und Nachteile abzuwägen (siehe Diskussion um alternative Verschlüsse).
Ich hab mir letztes Jahr angehört, was ein burgenländischer Verfechter und Nutzer von Vakuumverdampfern zu sagen hat und es kam mir schlüssig vor: es ist unwirtschaftlich und strategisch nicht sehr schlau, wenn man sich einfach damit abfindet, dass es halt oft zur Lese regnet, resignierend die Schultern zuckt und "Schicksal" murmelt, wo es doch Abhilfe gäbe. Mit Verfälschung hat das meiner Meinung nach nichts zu tun, man holt nur Wasser raus - und warum ist das um soviel verwerflicher als wenn man Zucker reingibt? Und wie der Winzer auch sehr treffend meint: es ist ein Konzentrationsprozess - wenn du im Weingarten nicht gut gearbeitet und Schrott geerntet hast, dann hast du nachher konzentrierten Schrott. Der Vakuumverdampfer zaubert nicht Qualität herbei.
Gerne zugehört habe ich auch Fr. Prof. Christmann (Geisenheim) zum Thema Eichenchips. In Geisenheim war in großen Versuchsreihen weder chemisch noch sensorisch ein Unterschied zwischen klassischem Barrique-Ausbau und Einsatz von Oakchips erkennbar!! Was wir bei Überseeweinen akzeptieren (weil wer weiß schon, was der jeweilige Produzent mit "oaked" tatsächlich meint...) gilt in Europa als Untergang des Abendlandes. Und wieder ein Kostenfaktor, der's unseren Weinen im internaionalen Wettbewerb schwer macht. Wer tatsächlich den Unterschied schmeckt, werfe den ersten Stein.....
-hs, 25.08.05 @ 18:03
300,000 falsch etikettierte Flaschen Duboeuf - Beaujolais
Weil's dazupasst:
Die "Direction générale de la consommation, de la concurrence et de la répression des fraudes (DGCCRF)" hat gestern bekanntgegeben, dass gegen das Haus Duboeuf eine Voruntersuchung wegen Betrugs laufe.
Angeblich wurden für ca. 300.000 Flaschen Beaujolais (village und Lagen) die Vorschriften zur appellationskonformen Trennung des Traubenguts nicht eingehalten und es wurden die Trauben unterschiedlicher Appleationen und Qualitätsstufen miteinander vermischt.
Der 72jährige Georges Duboeuf erklärte, der Wein (ca. 5% der jährlichen Gesamtproduktion) sei nicht in den Handel gelangt und der verantwortliche Mitarbeiter habe das Unternehmen verlassen.
Minimalist, 25.08.05 @ 17:49
@cw, Lebensmittelpolizeistaat
ja, diese Form von Information ist ein sympatischer Kompromiss. 100% einverstanden.
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