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Das Weinlog

04.10.06 @ 17:25

Die Mär vom Jahrhundertjahrgang

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Nach dem freundlichen Welcome auf meinen ersten Beitrag, nachträglich vielen Dank dafür, und weil wir es hier nicht auf 15 Seiten (spät)sommerliche Loch Ness Fruchtfliegendiskussion bringen wollen, folgt nun die nächste Mär. (Das drohende Image des Mär-chenonkels riskiere ich bewusst, aber ein diesmal passenderes Wort wäre dem Spamfilter zum Opfer gefallen.)

Es ist alle Jahre das gleiche. Es herrscht perfektes Sommerwetter, bis hin zum bis vor kurzem noch sehr präsenten Altweibersommer, und alle, Weinbauern, Journalisten, Gastronomen, Politiker sowieso, reden wieder einmal von einem sich anbahnenden ausgezeichneten Jahrgang, das bissl Regen im August oder gerade jetzt kann uns doch nichts anhaben. Ja vielleicht wird's gar ein Jahrhundertjahrgang.

Dieser zeichnet sich definitionsgemäß dadurch aus, dass er ob seiner überragenden Qualität so einzigartig ist, dass er nur einmal in hundert Jahren vorkommt. Soweit die Theorie. Tatsächlich gibt es ihn fast einmal jährlich (immerhin nur einmal), und auch die Flucht in den Jahrtausendjahrgang stellt keine Lösung dar, hatten wir doch allein in diesem noch jungen Millennium schon mindestens zwei davon. Wie also wollen wir überragende Jahrgänge bezeichnen? Was zeichnet diese aus? Braucht der Weinfreund solche überhaupt?

Ich halte mich da lieber an die Aussage eines sehr geschätzten Winzers, der einmal folgendes sagte: "Es gibt keine guten oder schlechten Jahr(gäng)e mehr, gute und sehr gute Weine gibt es auch in sogenannten schlechten Jahren, nur entsprechend weniger." Logisch und nachvollziehbar, aber leider nicht vermarktbar.

11 Kommentare | Kommentar abgeben

noapino, 11.10.06 @ 12:15

Jahrhunderte im Burgenland
Jahrhunderte im Burgenland
sind auch nicht mehr das was sie einmal waren:

[...] Stefan Lang [...] verglich den heurigen Jahrgang sogar mit dem Jahrhundertjahrgang 2000.

http://burgenland.orf.at/stories/142795

(zugegeben das Jahr 2000 ist korrekterweise noch dem vergangenen Jahrhundert zuzuordnen, aber am 31.12.1999 hat man das auch nicht ganz so eng gesehen.)

-hs, 08.10.06 @ 18:20

Stilfrage & Marketinggetöse
Ab einer gewissen Qualitätsstufe
spielen Fragen des Weinstils doch eine immer gewichtigere Rolle. Und so ist es auch mit den Jahrgängen. Immer noch reiferes Traubengut und eine noch üppigere Weinstilistik lässt sich vielleicht besser bewerben und verkaufen, aber wenn ich dann die Flasche nach einem oder zwei Gläsern wegstelle, weil mir das alles zu dick daherkommt tut das dem Umsatz des Winzers auch nicht wirklich gut.

Da wohl insbesondere aufgrund der besseren Weingartenarbeit aber auch infolge von Fortschritten in der Kellertechnik Katastrophenjahre kaum noch vorkommen, lobe ich mir dann vermeintlich kleinere Jahrgänge, deren Weine jedoch oft früher mit Freude trinkbar und (hoffentlich) auch preislich entgegenkommender sind.

So zum Beispiel Châteauneuf 1999, Burgund 2001/2004 und andere.

Dazu kommt noch, dass in derartigen Jahren die Gefahr kleiner ist, dass Terroir und Authentizität von dicker Frucht, massivem Tannin und hohem Alkohol zugekleistert werden.

PICCOLO, 07.10.06 @ 15:11

Vielleicht ein bisserl english...
Das Wort "terriffic" sagts aus.

An sich ist es zirka - ungefähr außergewöhnlich, und man kann es auf terrifying - abwandeln... Was alle Möglichkeiten offenhält.

(T.A. W`.) :Terrific Austrian Wine.. some terrifying effects.. headweh, bellyrumpling etc..)

Ein bischen österreichischer klingts so.

Und die Kundschaft find´s "klaaaß"...

alma, 07.10.06 @ 11:55

phänomenal schlecht
Genau solche Jahrgänge gibt es nimmer. Da ist die Kellertechnik vor. Und die schon im Weingarten vorgenommenen Schritte hin zur Knzentration. Phänomenal schlecht können als nur mehr Winzer sein.

pivu, 07.10.06 @ 11:02

phänomenal kitschig
Das nenn' ich Fortschritt! Wie wär's mit "Phänomenaljahrgang" als Substitut für den abgedroschenen Jahrhundertjahrgang? Das passt immer, der 06er wird also phänomenal kitschig, der 03er war phänomenal reif, der 00er (rot) phänomenal gut, und dann gibt's auch phänomenale schlechte Jahrgänge.

Oder ist das jetzt phänomenal blöd?

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