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Christoph Wagner's Weblog

28.09.05 @ 02:14

Bundeshymne & mehr

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Nachdem die Bundeshymne nun endlich politisch korrigiert worden ist, sollte man, meine ich, als nächstes die heimische Küchensprache auf Gender-Diskriminierungen durchforsten. Dazu einige Beispiele für Vokabel, die unbedingt durch neue ersetzt werden sollten.

Arme Ritter - Reiche Amazonen
Besoffener Kapuziner - Trunkene Kreuzschwester
Blunzentascherl - Trottelravioli
Caesar´s Salad - Cleopatras Salad
Christstollen - Madonnenbrot
Esterházy-Rostbraten - Rumpsteak Easter-Bunny
Fisch-Burger - Fischbürgerin
Gazpacho - Ganzmacho
Grenadiermarsch - Grenadinewalzer
Grießkoch - Grießköchin
Herrenpilz - Damenschwammerl
Hirschkeule - Hindenkeulin
Kardinalschnitte - Äbtissinnen-Gigolo
Kavalierspitz - Femme-fatale-Kugel
Mohr im Hemd - Black beauty im Negligé
Prinzenrolle - Prinzessinnenpurzelbaum
Sautanz - Ebertod
Schlosserbuben - weibliche Fachkräfte in Männerdomänen
Schweinsjungfer - Saujunker
Steak Robespierre - Steak Marie Antoinette
Tiramisu - Tiramisa

Im übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeshymne ab sofort Bundeshymen heißen sollte.

41 Kommentare | Kommentar abgeben

Minimalist, 29.09.05 @ 17:22

@cw
Ja die Römer, da hänge ich bei Jupiter, Juno, Merkur, Demeter,.., weil da krachts und zischts ganz unfeinsinning und einfach.
Ich habe mit spannung gelesen. Danke!!

Und doch: ein wenig geht es mir wie mit der Quantenmechanik: wenn ich zu genau hin schaue zerrinnt mir die Materie "zwische den Fingern".
Trotzdem tut es mir in der "maksoskopischen Physik" unglaublich weh, wenn mir eine 10 kg Kugel auf die Zehen fällt.
Ich lese und lese über die Tugend, beginne zu begreifen, stimme zu, zweifle...schaue genauer hin..
Trotzdem in der "makroskopischen Welt der gesellschaftlichen Ausdrucksformen" wird Tapferkeit und Ehre oft als Keule verwendet.

Eine traurige Karriere:
Mit 35 das Essen gelernt, mit 37 den gleichberechtigten Umgang mit Frauen, mit 61 über die Tugend.
Sei tapfer Minimalist! Und weine nicht!

Übrigens, Ja, bauen wir neue Hymne?
(Wenn Tapferkeit und Ehre mehr als 5mal vorkommt, wandere ich aus: nach "Frassdorf")

profiler, 29.09.05 @ 16:21

@ CW
verehrter herr bürgermeister!

selbst auf die gefahr hin hier als gscheidian dazustehen, möchte ich sie darauf hinweisen, dass ihren ausführungen nach, der arme melanchthon sage und schreibe 163 jahre alt wurde. (1497-1660) ?!

sie sehen, das gemeindevolk liest ihre beiträge aufmerksam ;-)

im vergleich zu ihnen,
mit historisch barfüssigem gruss

ChristophWagner, 29.09.05 @ 15:57

Virtus
Könnte es sein, lieber Minimalist, dass Sie mit den alten Römern ein ähnliches (in der Adoleszenz liegendes) Problem haben wie ich mit der Mathematik?

Das mit dem Timbern und Keukonen ist zwar ein liebes G´schichtl, man tut aber virtus, virtutis (tatsächlich, obwohl auch Manneskraft bedeutend, ein Femininum) wahrlich Unrecht, wenn man sie nur in die heroisch-kriegerische Macho-Ecke stellt. Da mir die Zeit für eine ausführliche Abhandlung über die Tugend fehlt, anbei der Eintrag aus Kirchners Lexikon der philosophischen Grundbegriffe (Quelle: www.textlog.de/2141.html - 32k):

Tugend (lat. virtus, gr. aretê), eigentlich Tauglichkeit, Tüchtigkeit, ist die sittliche Beschaffenheit des menschlichen Wollens und Handelns. Während das Ziel des sittlichen Handelns das sittliche Gut, die Verbindlichkeit hingegen danach zu streben die Pflicht ist, bezeichnet die Tugend die Kraft des Menschen, sich und sein Handeln den sittlichen Pflichten und Zielen gemäß zu gestalten.
 Nach Sokrates (469-399), welcher meinte, die Tugend sei lehrbar und niemand tue freiwillig das Böse, gibt es im wesentlichen nur eine Tugend, die Weisheit (Intellektualismus). Ähnlich lehrte Platon (427-347), der im Anschluß an seine Seelenlehre vier Kardinaltugenden (s. d.) aufstellte, die Tugend sei die Tauglichkeit der Seele zu dem ihr zukommenden Werke. Aristoteles (384-322) betrachtete die aus der natürlichen Anlage durch wirkliches Handeln herausgebildete Fertigkeit zu vernunftmäßiger Tätigkeit des Menschen als Tugend; die Tugenden teilte er in ethische und dianoëtische. Die ethische Tugend definierte er als diejenige dauernde Willensrichtung, welche die uns entsprechende Mitte einhält, d. i. die Unterwerfung der Begierde unter die Vernunft. So ist Tapferkeit die Mitte zwischen Feigheit und Verwegenheit, Mäßigkeit die Mitte zwischen Genußsucht und Stumpfsinn, Freigebigkeit die Mitte zwischen Verschwendung und Kargheit. Die höchste der ethischen Tugenden ist die Gerechtigkeit, welche im weiteren Sinne jene alle umfaßt, im engeren auf das Angemessene in Hinsicht auf Gewinn und Nachteil geht. Letztere ist entweder distributiv, sofern sie Besitztümer und Ehren zu verteilen hat, oder kommutativ, sofern sie es mit Verträgen und mit dem Ausgleich zugefügten Unrechts zu tun hat. Die dianoëtische Tugend dagegen ist das richtige Verhalten der theoretischen Vernunft teils an sich, teils in bezug auf die niederen psychischen Funktionen; diese Tugenden sind: Vernunft, Wissenschaft, Kunst und praktische Einsicht. Nach den Stoikern ist die Tugend und das höchste Gut dasselbe; beides besteht im natur- und vernunftmäßigen Leben. Daher trägt auch die Tugend ihren Lohn in sich selbst. Da somit ihre Grundlage die Vernunft ist, scheint sie den Stoikern unverlierbar; auch gibt es nach ihrer Auffassung zwischen Tugend und Laster kein Mittleres. Doch ist die Tugend stets zugleich theoretisch und praktisch. Demgemäß stellte die Stoa die vier Kardinaltugenden auf: Einsicht, Tapferkeit, Gerechtigkeit und Besonnenheit, die sie wieder in Unterarten schied, z.B. die Tapferkeit in: Ausharren, Unverzagtheit, Seelengröße, Mut und Arbeitsliebe. (Diog. Laert. VII, § 81 ff.) Nach Epikuros (341-270) ist die Haupttugend die richtige Einsicht bei der Abwägung von Lust und Unlust, die sich an eine Handlung knüpfen kann. Die Tugend ist also der einzig mögliche, aber auch ganz sichere Weg zur Glückseligkeit. (Diog. Laert. X, § 138.) Plotinos (205-270), der die Tugend mit Platon als Verähnlichung mit Gott bezeichnet, unterscheidet bürgerliche, reinigende und vergöttlichende Tugenden. - Augustinus (353-430) definiert die Tugend als Gehorsam und Liebe gegen Gott, die dieser in uns ohne unser Zutun hervorbringt; sie entfalte sich zu den vier heidnischen Kardinaltugenden, zu denen aber beim Christen noch drei theologische: Glaube, Liebe und Hoffnung träten. Petr. Lombardus (• 1160) lehrte ebenso, nur bestimmt er die Tugend als die richtige Beschaffenheit des auf das Gute gerichteten Willens. Abälard (1079-1142), sein Zeitgenosse, nennt die Tugend den zur bleibenden Eigenschaft gefestigten guten Willen. Thomas von Aquino (1225-1274) kombiniert die Ideen des Aristoteles, Augustinus und Plotinos, indem er im ganzen zehn Tugenden aufstellt: a) intellektuelle oder dianoëtische Tugenden, nämlich Weisheit, Wissenschaft und Erkenntnis; b) moralische, nämlich die vier antiken Kardinaltugenden, die als rein moralische, politische, reinigende, erhebende und vorbildliche erscheinen; c) die drei theologischen. - Melanchthon (1497-1660), der Verfasser der ersten protestantischen Ethik, faßt die Tugend als die Neigung, der richtigen Vernunft zu gehorchen. Ähnliches lehrt Cartesius (1596 bis 1650) da, wo er einmal Ethisches berührt. Spinoza (1632-1677) kommt durch eine eigentümliche Ableitung auf einen der stoischen Lehre verwandten Standpunkt. Da nach ihm alles das gut ist, was uns nützt, so ist Tugend die Fähigkeit, das unserer Natur Entsprechende zu tun. Dies aber ist die Erkenntnis Gottes; diese lehrt mich nicht nur mit meiner eigenen Natur, sondern auch mit derjenigen anderer in Übereinstimmung zu sein. Ähnliche Lehren finden sich bei Leibniz (1646-1716): Da die Weisheit die Wissenschaft der Glückseligkeit ist, diese aber nur in dauernder Lust beruht, welche aus unserer oder fremder Vollkommenheit entspringt, so ist die Tugend eine gewisse Kraft des Geistes, welche uns zur Ausführung des als recht Erkannten treibt. Chr. Wolf (1679 bis 1754) zog diese Sätze dahin zusammen, daß er sagte, die Tugend sei die Fertigkeit, seinen Zustand immer vollkommener zu machen. Kant (1724-1804) definierte: »Tugend ist die moralische Stärke des Menschen in Befolgung seiner Pflicht, die niemals zur Gewohnheit werden, sondern immer ganz neu und ursprünglich aus der Denkungsart hervorgehen soll« (Anthrop. § 10 S. 35), und: »Tugend ist die Stärke der Maxime des Menschen in Befolgung seiner Pflicht« (Metaph. d. Sitten II, S. 28). Ähnlich faßt J. G. Fichte (1762-1814) die Tugend als den ein für allemal sittlichen Charakter. Hegel (1770 bis 1831) definiert sie als sittliche Virtuosität; sie ist Einsicht und Charakter. Herbart (1776-1841) sagt, Tugend bedeute den inneren Wert derjenigen Person, welche die sämtlichen Regeln des Handelns kenne und beobachte. Nach Schopenhauer (1788-1860), welcher die Tugend nicht für lehrbar ansieht, geht sie zwar von der Erkenntnis aus, aber nicht von der abstrakten, sondern der intuitiven, so daß sie gewissermaßen wie das Genie angeboren ist.
 Formal läßt sich die Tugend definieren als die Kraft der sittlichen Gesinnung und Betätigung des Menschen. Inhaltlich empfängt sie im einzelnen ihre Bestimmung aus den Beziehungen des Menschen zu sich selbst, zu seinen Mitmenschen und zu Gott aus der Erfahrung heraus.

Hot-Volant, 29.09.05 @ 15:45

@Minimalist
... und die Keutonen werden einfach weggelassen. (?!)
Tippfehler haben auch ihr gutes. Sie machen auf die nichtbeachteten Seiten des Lebens aufmerksam.

Keutonen, lateinisch Keutonae, die Frauen des germanischen Volksstamms der Teutonen, der ursprünglich an der Westküste Jütlands und an der Elbmündung ansässig war. Sie wurden zwar selten erwähnt, doch finden sich Hinweise bei Lucanus, "bellum civile 1,255". Dort wird der sprichwörtliche furor teutonicus (teutonische Kampfeswut) erwähnt, über dessen Ursachen lange Zeit Unklarheit herrschte. Erst 1701 wurde in einem lange unter Verschluß gehaltenen Dokument des Paters Brosius (zu Augsburg) darüber spekuliert, dass es die Frauen der Teutonen waren, welche sich bei allfälligen Niederlagen ihrer Männer (viele gab es ja nicht) diesen versagten. Sahen sich die Teutonen nun in die Enge getrieben, rasteten sie förmlich aus, weil sie nicht nur um ihr Vergnügen sondern auch um den Stammesbestand zittern mussten. Pater Brosius war damit einer der ersten, welche den Zusammenhang zwischen sportlicher, kämpferischer Leistung und Sexualität schriftlich festhielt. Im zwanzigsten Jhd. folgte Willhelm Reich manchen Gedanken in seiner "Funktion des Orgasmus". Heutzutage hat Menschenhandel und Sextourismus die mögliche Inzentivkraft stark beschnitten. Lediglich der eine oder andere Fussballsportler oder Autorennfahrer meint, hier thematisieren zu müssen. Doch weiter als auf den Titelblättern der Boulevardzeitschriften wird die Frage nicht mehr behandelt.

apicius, 29.09.05 @ 15:41

virtus - virtutis -- honor - honoris
Ursprünglich sollte nur ein Tempel entstehen, die Auguren verhinderten das, denn nach deren Ansicht konnten nicht zwei Götter einen Tempel teilen. Tugend und Ehre sind leider moralisierte Begriffe. In allen Lebensbereichen leider...

Jedenfalls hat jener antike Baumeister zuerst einen Tempel für die "Ehre" gebaut. Den der Tugend baute er gleich daneben. Sie waren aber so gabaut dass die Besucher zuerst in den Tempel der Tugend gehen mußten um in den Tempel der Ehre zu kommen.

Was im Namen von Männerehre und Tugend angerichtet wurde wissen wir zwar, liegt aber sehr daran was die "Ausleger" dieser Begriffe damit anfangen..

Ich bleibe trotzdem dabei, daß Männlichkeit und Weiblichkeit ineinander fließend in beiden Geschlechtern präsent sind und es auch keiner Textänderung bedarf. Außer man schreibt das Liedchen neu.

Was einem armen Barden sehr gefallen würde.

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