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DAC, abgelehnt.

Warum das Konzept falsch ist.

22.01.12 @ 19:44

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Es gibt einige Gründe, warum ich das Konzept des DAC für falsch halte.

Es dient einer Gleichmachung der Weine
Je nach Districtus wird eine Kostkommission unterschiedlicher Größe gebildet. Diese bestimmt Anfang Jänner einen Pegelwein. Dieser Wein ist die Soll-Größe, so hat der DAC dieses Jahr zu schmecken. Alle für das DAC-Siegel eingereichten Weine werden an diesem Pegelwein gemessen. Wer diesem entspricht, bekommt das begehrte Siegel, welches den Wein im Verkauf dann meist um 2-3 Euro ab Hof teurer macht. Für mich ist dieser Vorgang eine abzulehnende Gleichmacherei, die sich gegen jede Form von Vielfalt richtet. Und das Argument, die Winzer könnten mit allen ihren anderen Weinen ihre Vielfalt ausleben, ist abgefeimt. Denn die fetten Marketingbudgets gibt es nun mal für die DACs.

DAC ist DAS Gegenkonzept schlechthin zu Terroireigenschaften
Gerade der erste DAC, der Weinviertel, mutet grotesk an. Durch seine Größe ist das Weinviertel prädestiniert, unterschiedlichste Veltliner zu produzieren. Unterschiedliche Mikroklimazonen, unterschiedliche Böden und auch unterschiedlich alte Stöcke und Klone sorgen für höchst unterschiedliche Weine. Ja, und die Winzer mit ihren unterschiedlichen Ansichten zum Thema Weinbau und Vinifizierung so und so. Retz und Reinthal trennen fast 100 Kilometer, was soll deren DAC gleiche Stilistik haben?

DAC beansprucht eine komplette Herkunftsbezeichnung ausschließlich für sich
Ein Zöbinger Winzer darf auf seinen Weinflaschen nur noch dann die Weinbauregion Kamptal vermerken, wenn dieser Wein das DAC-Siegel verliehen bekommen hat.
Wiewohl es hier das Kamptal nicht so eng sieht. Laut einem Leitfaden für Winzer: "Grüner Veltliner und Rieslinge, sofern sie 12% Alkohol (Etikett) haben, können sofort und ohne Änderung in das neue System übergeführt werden. Es wird nur das Wort Qualitätswein mit DAC ersetzt." Na, wenn es nur das ist ...

Ob Kremstal, Kamptal oder Weinviertel, wo kein DAC drin ist, darf die Region nicht mehr draufstehen. An deren Stelle tritt ein fettes Niederösterreich, hier soll demnächst via ÖWM in die Marke investiert werden, auf dass der Begriff Niederösterreich mit hoher Weinqualität konnotiert wird. Schafft sich hier jemand Arbeit?

Ein weiteres Schmankerl aus dem Leitfaden für die Kamptaler Winzer: "Es wird empfohlen, am Vorderetikett bei Möglichkeit das DAC wegzulassen." Die ziehen ja voll am Strang.


Die Positionierung am Markt ist hinterfragenswert
Was sind DACs nun?

Basisweine? Nein. Die meisten Winzer haben preislich unterhalb der DACs das breiteste Angebot.

Spitzenweine? Nein. So schmecken sie nicht. Soviel kosten sie nicht.

Als massiv beworbener Durchschnittswein, denn was soll ein geschmacklich vorgeformter Wein sonst sein, kann er durchgehen. Man kann auch Marketing-Gag dazu sagen.

Fast jeder Winzer versucht, einen DAC zugesprochen zu bekommen, die Gastronomie ist ein braver Abnehmer. Denn wer interessiert sich schon international für die Eigenheiten der Röschitzer Weine ...? Wer möchte sich in London mit der besonderen klimatischen Voraussetzung rund um Matzen auseinandersetzen ...?
Aber ganz ehrlich: Warum sollten gerade international diese knapp über den Basisweinen positionierten Durchschnitte Erfolge feiern? Und gerade das ist das Hauptargument der Initiatoren! Grotesk.


Und sollte das ursprüngliche Konzept doch sinnvoll gewesen sein?
So ist es seit der Aufdröselung in mehrere Sorten und Qualitätsstufen obsolet.

Gehen wir davon aus, dass die Idee, pro Districtus einen sortentypischen Vertreter zu erzeugen, auch ihre Vorteile habe. Die Konsumenten wären weniger verwirrt von den vielen Herkunftsbezeichnungen, tränken gerne einen Traisentaler ohne viel darüber nachzudenken. Mag ja sein.

Aber wie gibt es das dann, dass eine zweite Sorte zugelassen wird?
Wie gibt es das dann, dass die beiden Sorten (GV, R) noch unterteilt werden in eine zusätzliche Reserve? Na hoffentlich verwirrt das niemanden, wenn er zu einem Traisentaler DAC greift, mit einem leichten Veltliner rechnet und im Glas eine fette Rieslingreserve vorfindet. Schlau!
Und wie gibts das dann, dass der Leithaberg DAC gleich vier Weißweinsorten zulässt und die Weine aus zwei unterschiedlichen Weinbauregionen kommen dürfen?

Eine Region, eine Sorte, eine Stilistik: Der Mittelburgenland DAC ist zwar immer ein Blaufränkisch, aber das in drei Stilistikstufen: Als DAC mit oder ohne Zusatz Classic, als DAC mit Riedenbezeichnung und als DAC Reserve.

Habe ich etwas vergessen? Na klar! Die "Ersten Lagen" der Traditionsweingüter ÖTW haben sich noch dazugeschlagen. Jede Menge Winzer aus vier Weinbauregionen (Kamp-, Traisen-, Kremstal und Wagram) haben beschlossen, zusätzlich zu ihren DAC-Weinen noch, wenn es sich entsprechend verhält, die Zusatzbezeichnung "Erste Lage" hinzuzufügen.

Eine Region, ein Wein, eine Stilistik - das würde uns helfen, die Weine im Ausland besser zu positionieren und zu verkaufen. Ich denke, das Konzept ist falsch.

Gregor Fauma

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